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Tiere sind kein Geschenkartikel

20.01.2022

geschrieben von: VetTrust AG


Frau Brunner, machen Sie in Ihrer Praxis zuweilen die Erfahrung, dass sich jemand ein Haustier «anschafft», ohne sich zuvor über dessen Eigenschaften und Bedürfnisse informiert zu haben?

Gabrielle Brunner: Im Allgemeinen kümmert man sich schon um Wegleitung. Aber nicht selten stellen wir fest, dass man sich zwar Informationen beschafft, jedoch nur das zur Kennt- nis nimmt, was einem gefällt. Und erst im Nachhinein wird festgestellt: «Eigentlich hätte mir dieses Problem bekannt sein müssen, aber ich habe gedacht, es ergebe sich alles von selbst.» Während der Coronapandemie ist es ein paarmal vorgekom- men, dass Leute dem aktuellen Trend folgten und einen Hund zu sich nahmen – um bald einzusehen, dass sie sich zu rasch und zu unüberlegt dafür entschieden hatten.

Was halten Sie vom pädagogischen Prinzip, dass ein Haustier für die Entwicklung eines Kindes bedeutungsvoll sei?

Meine persönliche Erfahrung als Mutter wird von verschiede- nen wissenschaftlichen Studien bestätigt: Die Beziehung zum Tier fördert die Entwicklung des Kindes in Bezug auf seine Sozialkompetenz, auf Rücksichtnahme und Empathie. Aller- dings sind die dafür notwendigen Bedingungen nicht immer gegeben.

Inwiefern?

Wenn ich sehe, wie bei uns in der Praxis ein Kind seine Katze an einem Bein packt und hochhält, ohne dass die Eltern eingreifen – «Das macht er/sie zu Hause auch immer.» – wird mir einmal mehr bewusst, wie wichtig auch in der Kind-Tier- Beziehung die Begleitung und die Vorbildfunktion der Eltern ist. Diesbezüglich sind manchmal erschreckende Mängel fest- stellbar.  

Kann die Tier-Kind-Beziehung auch therapeutisch wirksam werden?

Ja, wenn das Umfeld und das therapeutische Konzept sorg- fältig aufeinander abgestimmt sind. Stimmt das Grundkon- zept, kann das Tier beispielsweise einem Kind, das unter einer autistischen Störung leidet, viel Positives bieten. Entscheidend ist jeweils der Einzelfall: Wird dem Kind von Anfang an zu viel Verantwortung für das Tier zugemutet, verpufft der angestrebte erzieherische Effekt.

Gelten Hamster und Meerschweinchen als Schmuse- und Kuscheltiere?

Genau diese Tierarten können Kuscheltiererwartungen nicht erfüllen. Die Eltern des Kindes müssen sich bewusst machen, dass auch ein Nagetier wie etwa der Hamster artgerecht gehalten werden muss. Nagetiere sind Fluchttiere und sind nicht als kuschlige Spielgefährten gedacht. Am ehesten geeignet wären Ratten, die sich wie ein Hund oder eine Katze an den Umgang mit Menschen gewöhnen können. Aber Ratten gehören nun mal nicht zu den beliebten Haustieren.

Ist es verantwortbar, in der Wohnung ohne jede Auslaufmöglichkeit eine Katze zu halten?

Im Tierschutzgesetz ist verankert, dass eine sogenannte Indoor-Katze nicht als einzelnes Tier gehalten werden darf. Wird einer Einzelgängerkatze eine Gefährtin zugeordnet und die Tiere können sich nicht leiden, ist diese Lösung auch nicht ideal. Die Situation ist dann befriedigend, wenn ein Kätzchen – ich spreche gerne von Katzenwelpen – von Anfang an genü- gend Zuspruch und ausreichend Bewegung bekommt und sich der Mensch aktiv mit dem Tier beschäftigt. Der Tierhalter oder die Tierhalterin muss bereit sein, Zeit und Interesse zu investieren. Es reicht nicht, wenn er oder sie sich nur als Dosen- öffner für Katzenfutter betätigt und ab und zu mit dem Tier schmust. Die körperliche Fitness und auch der Geist der Katze lassen sich mit Apportierspielen oder kleinen Tricks anregen. Zu diesem Thema findet man ausreichend Anleitung in Sach- büchern.

Kommt es oft vor, dass jemand eine Tierhaarallergie entwickelt?

Dies kommt nicht oft, aber doch ab und zu vor. Allergieaus- lösend sind allerdings nicht die Haare, sondern der Speichel, der an den Tierhaaren klebt. Insbesondere einer Familie mit Kindern empfehle ich, vor dem endgültigen Entscheid für das Büsi oder den Hund vorsichtshalber während einiger Tage ein Tier im familiären Umfeld zu hüten. Um eine Allergieanfällig- keit zu testen, sollte man auf jeden Fall die Expositionsdauer nach Möglichkeit verlängern – also zum Beispiel nicht umge- hend die Hände waschen, nachdem man das Büsi oder den Hund gestreichelt hat, sondern die Reaktion abwarten. Unver- gesslich ist mir eine hervorragend ausgebildete und ausge- zeichnete Tierärztin, die eines Tages im Tierspital Visite machte und plötzlich zusammenbrach. Ambulanz, Spital, Diagnose: Die Frau hatte im Verlaufe von Jahren eine Katzenhaarallergie entwickelt. Der sich ständig repetierende Kontakt mit Katzen hatte sich summiert, sodass die Allergie über Nacht zum Ausbruch kommen konnte.

Aber man kann sich gegen Tierhaarallergie desensibilisieren lassen?

Das ist möglich, aber oft schwierig zu arrangieren. Während der Desensibilisierungsphase darf man keinen Kontakt mit dem Tier haben und muss sich um eine Fremdplatzierung bemühen.

Haustierparasiten sind vermutlich auch ein Problemthema?

Krankheiten, die vom Tier zum Menschen und umgekehrt übertragen werden können, nennt man Zoonosen. In der Regel handelt es sich um Hautpilze, bei Parasiten ist das Spektrum nicht sehr breit. Hält man sich an die üblichen Hygieneregeln, treten hier kaum Probleme auf. Vorsicht geboten ist allerdings bei Schwangerschaft – Stichwort Katzen-Toxoplasmose. Ist eine Frau schwanger oder möchte sie schwanger werden, ist es also ratsam, den Immunstatus bezüglich Toxoplasmose abzuklären.

Wie gefährlich ist Toxoplasmose?

Kommt es während der Schwangerschaft auf dem Weg über den Kot der Katze zu einer Ansteckung, kann dies der Entwick- lung des Babys schaden. Hat die schwangere Frau schon Anti- körper entwickelt, ist sie nicht gefährdet. Andernfalls sollte sie sich von der Reinigung des Katzenklos fernhalten. Zum Glück haben Katzenfreundinnen und -freunde mittlerweile verstan- den, dass man beim Putzen des «Katzenkistli» einen Mund- schutz trägt und sorgfältige Handhygiene ein Muss ist. Selbst- verständlich wird man auch darauf achten, dass sich kein Kind am Katzenklo zu schaffen macht.

Ein weites Feld ist vermutlich das Thema «Der alte Mensch und sein Haustier»?

Sie sagen es, allein zu diesem Thema liesse sich ein ausführ- licher Beitrag aufbauen. Aus direkter Erfahrung weiss ich, wie wertvoll der Tierbegleiter etwa für einen demenzkranken Menschen sein kann, aber auch, wie viel Aufmerk- samkeit und Sorgfalt von Angehörigen oder Pflegepersonen erforderlich ist. Therapiehunde, die bei Besuchen in Alters- und Pflegeheimen ihren Dienst tun, leisten oft Erstaunliches. Aber auch hier muss klar sein, was zumutbar ist und was nicht, was zu beachten und welcher Aufwand notwendig ist.

Ist das Haustier häufig ein Partnerersatz oder zuweilen ein Ersatz für ein Kind?

In den letzten Jahren hat sich der Auftrag ans Tier sehr stark verändert. In zunehmendem Masse ist es die Basis für Sozial- kontakte, wenn nicht gar das einzige Wesen, zu dem man nahen Kontakt hat. Wenn das Tier ein soziales Vakuum füllen kann, übernimmt es einen wichtigen Auftrag. Der Hund als Compagnon, als Gefährte, ist ein wichtiger Faktor. Ich beob- achte und erlebe dies bei Hausbesuchen recht oft und es berührt mich. In unserer Praxis sind wir vom Begriff «Tier- besitzer» abgekommen, der einen vereinnahmenden und possessiven Charakter hat. Wir sprechen gerne von «Tier- eltern».

Das Interview finden sie unter astreaAPOTHEKE

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